US-Schulbezirke stoppen KI im Unterricht – Experten streiten über Verbote und Wirksamkeit

Die Schulbezirke von New York City und Los Angeles haben die KI-Einführung vorerst gestoppt. Dies entfacht die Debatte, ob Verbote Risiken mindern oder Jugendliche lediglich auf unbeaufsichtigte Privatgeräte treiben.
Große öffentliche Schulbezirke in den USA, darunter die New York City Public Schools und der Los Angeles Unified School District, haben den Einsatz künstlicher Intelligenz im Unterricht vorerst gestoppt und verweisen dabei auf Bedenken hinsichtlich der Schülersicherheit. Diese administrativen Pausen spiegeln eine wachsende Skepsis bezüglich der Reife von KI-Tools im Primar- und Sekundarbereich wider. Tests des Youth AI Safety Institute von Common Sense Media untersuchten führende KI-Chatbots anhand simulierter Teenager-Personas. Das Fazit: Bislang habe sich keines der Systeme als lernfördernd erwiesen, so Yvette Renteria, Chief Program Officer der Organisation.
Allerdings stoßen Verbote auf Bezirksebene an deutliche praktische Grenzen. Eine Umfrage von Common Sense Media ergab, dass mehr als die Hälfte der Jugendlichen, an deren Schulen ein KI-Tool blockiert wurde, schlichtweg auf ihre privaten Geräte auswich. Renteria plädiert dafür, dass Schulleitungen vorsorgliche Pausen mit verpflichtendem Unterricht zur KI-Kompetenz (AI Literacy) verbinden sollten, anstatt Verbote als Gesamtlösung zu betrachten. Gleichzeitig warnen Kritiker pauschaler Nutzungsstopps davor, alle automatisierten Systeme über einen Kamm zu scheren. Jaime Casap, ehemals Chief Education Evangelist bei Google, verwies auf die öffentliche Kritik an einem KI-gestützten Lesescreening in New Mexico und betonte, dass zielgerichtete Diagnosetools auf Basis empirischer Belege bewertet werden müssten, statt sie mit generativen Dialogmodellen gleichzusetzen.
Die Debatte verdeutlicht ein zentrales Dilemma von Bildungssystemen bei der Vermittlung digitaler Kompetenzen: Das Blockieren des institutionellen Zugangs verhindert nicht, dass Schüler Werkzeuge außerhalb des Unterrichts ohne Anleitung nutzen – wodurch Lehrkräfte den Umgang mit diesen Technologien ohne fundierte Rahmenrichtlinien bewältigen müssen.
Quelle: EdSurge



